Leicht zu beurteilen, wer hier wie fundamentalistisch ist: Warum die „gender studies“ Professorin Villa Braslavsky zum Fall der gemobbten genderkritischen Philosophin Kathleen Stock besser geschwiegen hätte   

Kürzlich wurde die britische Professorin Kathleen Stock, deren weithin positiv rezensiertes Buch Material Girls eine moderat und zivil formulierte aber inhaltlich und argumentativ durchschlagende Kritik an der Transgenderideologie präsentiert, von einem Mob eben dieser Ideologen nach jahrelangen Belästigungen und Bedrohungen und einer neuen Eskalationsstufe schließlich erfolgreich aus ihrer Position herausgeekelt. In einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks (übertitelt mit dem Zitat „Schwer zu beurteilen, wer geht da wie zu weit“) hat nun die Journalistin Barbara Knopf die „gender studies“ Professorin Paula-Irene Villa Braslavsky (LMU München) darum gebeten, ihr dabei zu „helfen zu verstehen, was da für eine Dynamik entstanden ist“. Möglicherweise hätte es dem Verständnis nicht geschadet, neben einer Vertreterin der pseudowissenschaftlichen „gender studies“ auch einen Vertreter der Gegenposition zu hören; nicht zuletzt, da die Einlassungen von Frau Villa Braslavsky so offensichtlich inkohärent sind.

So erklärt sie zwar ganz richtig, es gehe um die „eigentlich interessante“ und „vergleichsweise harmlose“ Frage, ob Geschlecht „tatsächlich … eine Frage der individuellen Behauptung“ oder aber „letztlich nicht doch biologisch determiniert“ sei. Sodann aber verkündet sie, es sei „dogmatisch“ und eine „fundamentalistische, herabwürdigende und Debatten-verunmöglichende“ Position mit Stock zu sagen: „Transfrauen sind keine richtigen Frauen“. Dies entbehrt der Logik.

Zur Aufklärung: Wenn man die „vergleichsweise harmlose“ Frage, ob das Geschlecht biologisch determiniert sei, bejaht, dann folgt daraus logisch, dass man sein Geschlecht eben nicht durch „individuelle Behauptung“ ändern kann und dass mithin „Transfrauen“ keine Frauen sind. Wer eine Frau ist, ist dann durch die objektiven Fakten der Biologie bestimmt, nicht durch das subjektive vermeintliche Empfinden der eigenen „Weiblichkeit”. (Worin auch immer ein solches „Empfinden“ bestehen mag. Stock hält es für zweifelhaft.)

Anders gesagt, Villa Braslavsky erklärt zwar die Frage danach, ob das Geschlecht biologisch determiniert sei, für „harmlos“ – erlaubt aber nur eine Antwort: „Nein.“ Wer hier fundamentalistisch und dogmatisch ist, ist keineswegs Stock, die für ihre Position eine Batterie von Argumenten anführt, sondern offensichtlich Villa Braslavsky.

Wenn nämlich etwas „Debatten verunmöglicht,“ dann die dogmatische Setzung, dass eine solche nur ein einziges vorbestimmtes Ergebnis zeitigen könne, da jede Abweichung von diesem „herabwürdigend“ sei. Von daher hat Villa Braslavsky es gerade nötig zu erklären: „Wir brauchen mehr Kontroversen, eine Diskussion, auch eine robuste, die aber nicht von vornherein immer schon weiß, was der andere behauptet und sagt. Die nicht immer schon sicher ist, dass es ums Rechthaben geht, die nicht immer schon so verstrickt ist in Beleidigungen und Herabwürdigung und Verletzung.“ Schöne Worte. Allerdings weiß sie selbst offenbar ganz genau, wer recht hat, und was der andere behauptet und sagt, insbesondere auch, dass das, was der andere behauptet und sagt, „herabwürdigend“ ist. Indem sie aber Behauptungen wie jene, dass „Transfrauen“ keine Frauen sind, als herabwürdigend bezeichnet (übrigens ohne dafür den Hauch eines Arguments anzuführen), würdigt sie jene herab, welche solche Behauptungen tätigen. Sie tut also mit ihren Behauptungen genau das, was zu tun sie als unmoralisch behauptet. Man spricht hier von einem performativen Selbstwiderspruch. In der Philosophie ist dieser Begriff geläufig. In den „gender studies“ womöglich nur das Phänomen.

Ebenfalls dort nicht geläufig ist anscheinend die Unterscheidungen zwischen Selbsteinschätzung und Wirklichkeit. So erklärt Villa Braslavsky die „Ablehnung, … Herabsetzung, das Nicht-Ernstnehmen von Transgender-Wirklichkeiten und -Erfahrungen“ per se für „herabwürdigend“ und „Debatten-verunmöglichend.“ Nun ist die „harmlose Frage“ aber gerade die, ob die vermeintliche „Erfahrung“ eines biologischen Mannes, „gefühlt“ eine Frau zu sein, ihn auch wirklich zur Frau macht. Stock nimmt durchaus ernst, dass es Männer gibt, die unter sogenannter Genderdysphorie leiden und die damit verbundenen Gefühle und Erfahrungen haben (längst nicht alle Männer, die sich zu „Transfrauen“ erklären, haben Genderdysphorie). Aber natürlich kann sie nicht das Gefühl gewisser „Transfrauen“, tatsächlich Frauen zu sein, als der Wirklichkeit entsprechend ernst nehmen, jedenfalls nicht ohne Aufgabe ihrer eigenen Position. Sie muss dieses Gefühl somit vom Status der Erkenntnis der Wirklichkeit zum Status des bloßen und nicht wirklichkeitskonformen Gefühls „herabsetzen“. Eine solche “Herabsetzung” ist aber offenkundig zulässig: bei Männern, die sich für Frauen halten, nicht weniger als bei Männer, die sich für Napoleon Bonaparte, Jesus oder den besten Präsidenten aller Zeiten halten.

Wie gestört Villa Braslavskys eigener Realitätssinn ist und dass sie wie so viele Professoren in den „gender studies“ nicht zwischen Diskursen einerseits und Dingen andererseits zu unterscheiden vermag, sieht man auch an ihrer Einlassung, dass „dieses Transgender-Thema niemandem was wegnimmt, niemanden bedroht, niemanden angreift.“ Das Thema als solches nicht. Aber sehr wohl von der Transgenderideologie inspirierte Gesetzesinitiativen wie das von der Ampel PR-wirksam so genannte „Gesetz zur Selbstbestimmung der geschlechtlichen Identität“. Stock legt (wie viele andere) detailliert dar, dass es Frauen sehr wohl etwas wegnimmt, wenn, wie in dem Gesetzentwurf vorgesehen, Männer sich einfach zu Frauen umdeklarieren können. Diese Möglichkeit gefährdet Frauen in Frauengefängnissen und Frauentoiletten, nimmt ihnen Plätze weg bei Frauenquoten (was auch immer man von diesen halten mag), lässt Frauen in Kriminalitätsstatistiken dank der tätigen und tätlichen Mithilfe von „Transfrauen“ vergewaltigender und mordender erscheinen, als sie tatsächlich sind, und unterminiert sie dramatisch im Frauensport.

Villa Braslavsky aber scheint kein Problem damit zu haben, die Rechte von Frauen denen von Männern zu opfern, welche sich einfach zu Frauen erklären. In einem Interview in der Brigitte sagte sie einst: „Es existiert eine nach wie vor gültige Form von weiblicher Sozialisation, die einer Frau bedeutet: Seine Bedürfnisse sind wichtiger als deine; du bist diejenige, die im Zweifelsfall schuld oder falsch ist.“ Von dieser Sozialisation hat Villa Braslavsky sich offenbar, trotz „gender studies“, nicht emanzipieren können – jedenfalls nicht bei ihrer Beurteilung anderer Frauen.

© Uwe Steinhoff 2021

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