Graffiti auf dem Mädchenklo: Eine Erwiderung auf die taz-Redakteurin Fatma Aydemir

Ideologen können Widerspruch nicht ertragen und Transgenderideologen wie die taz-Redakteurin Fatma Aydemir schon gar nicht. So reagierte Sie kürzlich ebenso emotional wie sachlich ahnungslos auf zwei Beiträge von Judith Sevinç Basad in der Bild beziehungsweise mir in der NZZ, welche es wagten, sich kritisch mit dem von der Ampel irreführend so genannten „Selbstbestimmungsgesetz“ auseinanderzusetzen. Die Titelzeilen der taz verliefen – bewunderungswürdig subtil – wie folgt: „Hetze gegen Selbstbestimmungsgesetz: Gruselgeschichten vom Mädchenklo: Die Ampel verspricht trans-inklusive Gesetzesänderungen. Ein Anlass für Konservative Stimmung gegen eine systematisch bedrohte Minderheit zu machen.“

Aydemirs Bereitschaft, anderen fälschlich Hetze zu unterstellen, wird übertroffen von ihrer Bereitschaft, diese selbst zu praktizieren. Statt Basad und mir „Schaum vor dem Mund“ anzudichten, sollte sie sich lieber selbst mit einem feuchten Tuch über die Lippen wischen.

„Demagogie“ und „wahnwitzige Fantasien“ – Ja, aber bei wem wohl?

Ein großer Unterschied zwischen dem Bild und dem NZZ Artikeln einerseits und Aydemirs taz-Artikel andererseits ist nämlich, dass jene auf Experten und empirische Studien Bezug nehmen, dieser hingegen nur transgenderideologische Slogans reproduziert und diffamatorische Rhetorik bemüht. Studien und fundierte Expertenmeinungen sind jedoch keineswegs „wahnwitzige Fantasien“ oder „Demagogie“. Umgekehrt lässt sich das von Aydemirs eigenen Einlassungen nicht sagen. So ist es ganz gewiss eine wahnwitzige Fantasie und pure Demagogie, wenn Aydemir sich in Bezug auf die beiden Artikel nicht entblödet zu erklären: „Fehlen nur noch die Forderungen nach einem Scheiterhaufen für die Hexen und einem für die Bücher.“ Welche Hexen? Welche Bücher? Aydemir vergisst geflissentlich, dass es Transgenderideologen waren, die J. K. Rowling als Hexe bezeichnet, ihr auf sozialen Medien mit Gewalt gedroht und tatsächlich ihre Bücher verbrannt haben. Vielleicht war Frau Aydemir  nicht persönlich dabei, um ihr Herz und ihre Hände am Feuer zu wärmen (obgleich sie jederzeit dabei ist, wenn es darum geht, über Rowling herzuziehen, so auch in ihrem Artikel), aber davon gehört haben sollte sie als weltgewandte Qualitätsjournalistin schon. Gehört haben sollte sie auch von dem transgenderideologischen Mob, welcher die genderkritische Feministin Kathleen Stock zur Aufgabe in Sussex zwang. Zumal die taz selbst darüber zunächst kritisch berichtete – allerdings nur, um Tage später dann doch ihre Sympathien für den Mob zu entdecken (zur Kritik, siehe hier).

Slogans statt Argumente

Aber was sage ich denn nun so Schlimmes in der NZZ? Aydemir hält mir vor, dass ich „Geschlechtsdysphorie unter Jugendlichen zu einem gefährlichen Trend und Konversionstherapien für ein legitimes Gegenmittel” erklärt habe und die „ebenfalls geplanten Aufklärungsaktionen zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt an Schulen“ als „Indoktrination“ begreife.

Ich erlaube mir, darauf drei Dinge zu erwidern. Erstens, nein, ich halte tatsächliche Geschlechtsdysphorie nicht für einen gefährlichen Trend. Als solchen bezeichnete ich vielmehr den „explosionsartigen Anstieg der Zahlen von Minderjährigen, welche sich plötzlich ‚im falschen Körper‘ wähnen“ – was sie durch Transgenderideologie animiert leider oft tun, auch ohne unter tatsächlicher Geschlechtsdysphorie zu leiden. (Es macht übrigens nicht den Eindruck, als habe Frau Aydemir den Begriff je in einem diagnostischen Handbuch nachgeschlagen.) Auf die entsprechende Studie von Littman habe ich hingewiesen (siehe auch Abigail Shriers Buch Irreversible Damage: The Transgender Craze Seducing Our Daughters). Entkräftet Aydemir den Befund? Nein. Offenbar sind ihr Studien und die Realität egal.

Zweitens habe ich nicht „Konversationstherapien“ befürwortet, sondern gesagt: „Medizinisch geboten ist … eine kritisch begleitende und einzelfallbezogene Therapie.” Es ist nämlich medizinisch und politisch unverantwortlich, eine solche gebotene Behandlungsmethode allen Ernstes als „Konversationstherapie“ zu verbieten und sogenannte „affirmative Therapien“ verpflichtend zu machen (zumal es tatsächlich diese sind – auch davon hat Aydemir wohl noch nichts gehört – welche auf eine „postmodern gay conversion therapy“ hinauslaufen[1]). Diverse Studien bestätigen dies; wie dementsprechend auch, worauf ich hingewiesen hatte, die Deutsche Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft. Hat Aydemir ein Gegenargument? Nein. Wiederum sind ihr Studien, Expertenmeinungen und die Realität egal.

Drittens ist tatsächlich jede „Aufklärungsaktion“, die von „geschlechtlicher Vielfalt“ schwadroniert, in der Tat eklatanter Unfug und pure Indoktrination, da es genau zwei Geschlechter gibt: männlich und weiblich. Diese meine Auffassung verdankt sich keineswegs „biologistischen Vorstellungen aus dem Mittelalter”, wie Aydemir (Taschentuch!) in Richtung Alice Schwarzer sagt, sondern der modernen Evolutionsbiologie, von der Aydemir sich offenbar in Geschlechtsfragen weniger gern beraten lässt denn vom postmodernen Streichelzoo. Hat sie ein Gegenargument? Wiederum: Nein.

Erwähnt sei auch Aydemirs Erklärung, das Vorhaben des Selbstbestimmungesetzes beschränke sich „bislang nur auf einen einzigen Absatz im 200-seitigen Koalitionsvertrag“. Tatsächlich gibt es, worauf ich auch hinwies, bereits zwei Gesetzesentwürfe von zwei der Koalitionsparteien. Abermals kümmert Aydemir die Realität wenig.

Dasselbe gilt für ihr Problem mit dem Hinweis der Bild, das „Selbstbestimmungsgesetz“ habe negative Auswirkungen auf Frauen und deren Rechte. Aydemirs Erwiderung auf diese Befürchtung erschöpft sich in der folgenden Aussage: „Trans Personen werden darin [in angeblichen „Gruselgeschichten“] immer zu Täter_innen gemacht, obwohl die Realität statistisch gesehen gegenteilig aussieht: Einer Studie zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, in Großbritannien Opfer von Kriminalität zu werden – wozu auch Sexualstraftaten zählen –, für trans Personen mindestens doppelt so hoch wie für cis Personen.“ Dies widerlegt jedoch – man verzeihe mir, dass ich einer Ideologin mit Logik komme – keineswegs die Befürchtung, dass das sogenannte „Selbstbestimmungsgesetz“ ein Vergewaltigungsvereinfachungsgesetz ist, da es männlichen Personen (ob trans oder nicht) Zugang zu normalerweise aus guten Gründen Frauen und Mädchen vorbehaltenen Räumen verschafft. Diese Befürchtungen sind zudem empirisch bestens begründet und belegt.[2] Aber Aydemir sieht offenbar keinen Bedarf, sich mit solchen Belegen auseinanderzusetzen. Darüber hinaus ist auch ihr generalisiertes Vertrauen in die Friedfertigkeit  von Transmenschen fehl am Platze. Wie ein Times Artikel feststellt: „Transgender prisoners are five times more likely to carry out sex attacks on inmates at women’s jails than other prisoners are, official figures show.“ Aydemir möge darüber einmal nachdenken.

Von „konservativen“ Liberaldemokraten und subversiven Linksautoritären

Am Ende scheint Aydemirs größtes Problem mit Basad und mir allerdings zu sein, dass wir angeblich „Konservative“ sind. Wenn sie damit „Spießbürger“ meint, muss ich ihr widersprechen. Spießbürgerlicher Mief hat sich inzwischen fast ausschließlich ins linke Milieu zurückgezogen. Aydemir wird sich dort gut auskennen. Allerdings bin ich in der Tat konservativ in dem Sinne, dass ich einige Dinge bewahren will: Die liberale Demokratie sowie auch Kindeswohl, Frauenrechte und Redefreiheit, etwa vor dem orwellianisch so genannten „Selbstbestimmungsgesetz.“ Aydemir, so scheint es, ist an der Bewahrung dieser Dinge wenig gelegen; zumindest so wenig, dass sie lieber Slogans repetiert, statt zunächt einmal die Fakten zur Kenntnis zu nehmen. So ist sie also diesbezüglich in der Tat nicht konservativ, sondern subversiv. Gratulieren allerdings sollte sie sich dazu angesichts der hier auf dem Spiele stehenden Werte und Prinzipen vielleicht besser nicht.

Aydemir schließt ihren so sehr von Hetze und Mundschaum freien Artikel mit den versöhnlichen Worten: „Und so wünscht man sich, dass die trans-exkludierenden Feminist_innen und konservativen Hetzblätter für immer dort bleiben, wo sie hingehören. Auf ihren heißgeliebten Klos.“ So mancher würde sich freilich dasselbe von inkompetenten und ignoranten taz-Redakteurinnen wünschen – aber als liberaler Demokrat gestehe ich auch diesen uneingeschränkte Redefreiheit zu. Dies ändert freilich nichts daran, dass sich deren Texte qualitativ weniger für die Zeitung eignen denn für die Toilettenwand.

© Uwe Steinhoff 2022


[1] Siehe Helen Joyce, Trans: When Ideology Meets Reality (London: Oneworld, 2021), S. 88.

[2] Siehe überblickshaft den Abschnitt „Im Frauengefängnis und auf der Toilette“ hier sowie auch diesen jüngsten entlarvenden Artikel in der Times.

6 thoughts on “Graffiti auf dem Mädchenklo: Eine Erwiderung auf die taz-Redakteurin Fatma Aydemir

  1. Lieber Herr Steinhoff, ich bewundere es, dass Sie angesichts solcher dümmlicher Anfeindungen und arroganter Unverschämtheiten so ruhig und gelassen bleiben und in aller Sachlichkeit garniert mit einer feinen und subtilen Ironie antworten.Sind sie vielleicht ein Meister des Aikido oder einer anderen Kampkunst? Chapeau! Votre, Ulrich W. Diehl

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  2. Lieber Herr Steinhoff, ich folge Ihnen auf Twitter und teile Ihre Artikel auch mit Freunden, die nicht auf Twitter sind. Nun hat Twitter meinen Account gesperrt. Ich hatte aus Ihrem Artikel hier s.o. zitiert den Passus, dass das sog. Selbstbestimmungsgesetz ein “Vergewaltigungsvereinfachungsgesetz” ist und ff. Anscheinend bin ich damit zu einer Person geworden, die Hassrede auf Twitter verbreitet und damit gegen die Twitter-Regeln verstößt. Mein Account ist Sabeth@sabethelisa. Den tweet musste ich löschen. Naja, jedenfalls danke schön für Ihre guten Artikel zum Thema.

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  3. Danke für das Lob! Ich hatte selbst Tweets mit entsprechendem Inhalt verbreitet, ohne weitere Probleme. Natürlich ist das keine Hassrede, sondern eine völlig legitime Kritik an schlechten Gesetzen. Wie dem auch sei, dass Twitters Zensurmaßnahmen sonderlich rational, transparent oder ethisch sind, lässt sich nicht behaupten. Trotzdem wünsche ich Ihnen viel Glück dort.

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  4. “Drittens ist tatsächlich jede „Aufklärungsaktion“, die von „geschlechtlicher Vielfalt“ schwadroniert, in der Tat eklatanter Unfug und pure Indoktrination, da es genau zwei Geschlechter gibt: männlich und weiblich.”
    Sprechen Sie hier von Sex oder Gender? Erkennen Sie Gender überhaupt an? Zu Sex: Biologisch gesehen können chromosonales Geschlecht, gonodales Geschlecht, hormonelles Geschlecht, und morpholigisches Geschlecht einander widersprechen oder in sich selbst ambivalent sein (Intersexualität). Hier zeigen Sie ihre eigene Ideologie die im Widerspruch zur Biologie steht. Natürlich ist Intersexualität eher eine Ausnahme, aber pseudotransgeschlechtliche Gewaltstraftäter*innen sind es ja auch eine, die Sie unbedingt gelten lassen wollen.
    So oder so, da sie nicht klarstellen ob Sie von Sex oder Gender sprechen, halten Sie die Tür immer offen für Menschen die aus ideologischen oder aus Ignoranzgründen Sex und Gender gleichstellen. Außerdem können Sie sich bei Kritik immer darauf rausreden das jeweils andere gemeint zu haben.

    “Dies widerlegt jedoch (…) keineswegs die Befürchtung, dass das sogenannte „Selbstbestimmungsgesetz“ ein Vergewaltigungsvereinfachungsgesetz ist, da es männlichen Personen (ob trans oder nicht) Zugang zu normalerweise aus guten Gründen Frauen und Mädchen vorbehaltenen Räumen verschafft.”
    Hier ist ihnen, entweder mutwillig aus ideologischer Verbohrtheit, oder aus Unkenntnis über die Bedeutung von Begriffen ein inhaltlicher Fehler unterlaufen. Es ist nämlich so, dass Trans-Männer derzeitig teils gezwungen sind Frauentoiletten zu benutzen. Ein Umstand den ein Selbstbestimmungsgesetz ändern könnte.

    Zum Buch Irreversable Damage lege ich ihnen einfach nur Nahe sich mit der Kritik daran zu befassen. Das sollte Sie davon abhalten es weiter zu zitieren, wenn Ihnen ihre Reputation, was Wissenschaftlichkeit und Ideologiefreiheit angeht, etwas wert ist. Ich empfehle: https://www.youtube.com/watch?v=2OLNEiECN24&list=PLIK-x5uT6oS-jLoc8axeD_zZ_TDK0OTeb

    Trotzdem danke ich für ihren Artikel der sich noch in einem Rahmen bewegt der Diskurs ermöglicht. Mir stößt diese unproduktive Schlammschlacht von beiden Seiten auf.
    Ich wurde als Transperson schon von anderen Menschen abgelehnt, weil ich Verständnis dafür äußerte, dass es Frauen unangenehm sein könnte mit Menschen mit Penis duschen zu müssen. Andererseits widert mich die Süffisanz, der leidlich getarnte Hass von der Seite, die diese Denke vertritt, genauso an, wie geäußerte Gewaltfantasien von Seiten von Transaktivist*innen.
    Der Brunnen ist vergiftet beide Seiten führen einen totalen Krieg und sind kein bisschen kompromissbereit. Man stellt sich sophistisch dumm und tut so als würde man die Argumente oder Begriffe der Gegenseite nicht verstehen, um sich gar nicht erst damit befassen zu müssen. Man versucht nicht die Bedürfnisse der Gegenseite zu verstehen und einen Weg zu finden der beide Seiten befriedigt.
    Gegner des Selbstbestimmungsgesetzes erleben nach dem Regierungswechsel nun auf einmal die Machtlosigkeit und damit einhergehende Angst gegenüber dem Staat mit der Transpersonen seit jeher leben müssen.

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    1. 1. In der von Ihnen zitierten Textstelle gebe ich einen link zu einem Text in Cicero, in dem ich genau definiere, was ich unter Geschlecht verstehe, und erkläre, warum es davon nur zwei gibt (und warum Chromosomen und Gonaden und Intersex daran nichts ändern). Sehen Sie zusätzlich auch hier: https://www.cicero.de/kultur/kulturkampf-transgender-ideologie-totalitaer-cancel-culture. Ihre Kritik läuft also ins Leere. 2. Was Sie in Erwiderung auf die von mir genannte Befürchtung bezüglich des „Selbstbestimmungsgesetzes“ sagen, weist mir keinen inhaltlichen Fehler nach (geschweige denn die anderen Dinge, die Sie alternativ unterstellen); in der Tat steht ihre Erwiderung in keinem logischen Zusammenhang zu der genannten Befürchtung. 3. Das Buch Irreversible Damage hält der Kritik durchaus stand. Wie dem auch sei, danke für die Lektüre meines Textes.

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